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In vielen Orten gilt noch immer Schneckentempo auf der Datenautobahn
2010-12-22 15:02 von Trierischer Volksfreund
Von Stephan Sartoris und Hannah Schmitt
Schnell, schneller, DSL - auch im ländlichen Raum wünschen sich die Bürger hohe Übertragungsgeschwindigkeiten. Im Landkreis Vulkaneifel gilt für viele Gemeinden aber immer noch Schneckentempo auf der Datenautobahn.
Daun/Gerolstein. Ein Klick, schon öffnet sich die Internetseite
innerhalb weniger Sekunden. Das Tempolimit auf der Datenautobahn fällt
auch in der Vulkaneifel immer häufiger. "Das Warten hat bald ein Ende",
frohlockte Karl Häfner, Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Kelberg,
vor ein paar Wochen. Ende 2011 sollen Berenbach, Bodenbach, Bongard und
Boxberg mit dem schnellen Internet von 6000 bis 16 000 Kilobyte pro
Sekunde versorgt sein. Doch wie sieht es in den anderen Orts- und
Verbandsgemeinden aus? Eine Übersicht.
VG Daun: Von den 38 Gemeinden sind derzeit 15 im Sinne der
Förderrichtlinie ausreichend versorgt. Sie bieten dem Verbraucher
Anschlussgeschwindigkeiten von mehr als zwei Megabyte. Bei vier weiteren
Gemeinden ist die Versorgung innerhalb der Orte stark schwankend und
liegt deshalb nicht immer im Bereich der ausreichenden Versorgung. Doch
in der VG tut sich etwas: Für die drei Orte Darscheid, Hörscheid und
Kradenbach gibt es bereits Verträge. Anfang des kommenden Jahres sollen
der Ausbau abgeschlossen und Geschwindigkeiten bis zu 16 000 Kilobyte
möglich sein. In sieben weiteren Gemeinden soll es 2011 deutliche
Verbesserungen geben. Dennoch bleiben weiße Flecken auf der Karte, die
gar keine Internetanbindung haben, wie Gefell.
VG Kelberg: Für 13 Gemeinden geht es in der VG Kelberg nur
langsam voran im Internet. Immerhin 20 können sich aber über ordentliche
bis schnelle Verbindungen freuen. Im kommenden Jahr wird sich das
Verhältnis noch weiter zu den höheren Geschwindigkeiten hin verändern.
Denn dann sollen auch Berenbach, Bodenbach, Bongard und Boxberg ans
schnelle Netz kommen.
VG Gerolstein: Viele Kooperationsverträge sind auch in der VG
Gerolstein inzwischen geschlossen worden. In fünf Gemeinden sind die
Baumaßnahmen für eine ausreichende Versorgung bereits im Gange. Noch im
ersten Quartal 2011 soll in Berlingen, Densborn, Duppach,
Kalenborn-Scheuern und Mürlenbach das schnelle Internet freigeschaltet
werden. Lediglich Kopp und Rockeskyll werden weiterhin unterversorgt
bleiben. Bisher ist nur in sechs der 13 Orte eine schnelle Verbindung
möglich. Darunter auch die Stadt Gerolstein. "Bei einigen Stadtteilen
ist die Situation aber problematisch", sagt Carsten Schneider von der
Verbandsgemeindeverwaltung Gerolstein. Die Verbindung sei nicht überall
gleich gut.
VG Hillesheim: Neben der Stadt Hillesheim sind in der VG nur drei
weitere Gemeinden ausreichend mit DSL versorgt. Die anderen sieben
kommen auf der Datenautobahn nur langsam voran. Allerdings sind auch
innerhalb der gut versorgten Gemeinden nicht alle Ortsteile an das Netz
angeschlossen. So erreicht beispielsweise Üxheim Geschwindigkeiten von
2000 Kilobyte, in Üxheim-Flesten und Üxheim-Nollenbach gibt es aber gar
kein DSL. Für die VG liegt das Problem auf der Hand: Die Anbieter
könnten einen Netzaufbau ohne eine Mitfinanzierung der Gemeinde nicht
gewährleisten. Die Ortsgemeinden müssen die Versorgung deshalb
ausschreiben. Doch in "vielen Fällen ist vor einer Ausschreibung nicht
bekannt, wie hoch der Eigenanteil nach Abzug der Förderung werden wird",
heißt es aus der Verbandsgemeindeverwaltung.
VG Obere Kyll: Richtig schnell ins Internet geht es nur in Esch
und Scheid. Lediglich in diesen zwei Ortsgemeinden sind
Übertragungsraten von bis zu 16 000 Kilobyte möglich. Ausreichend
versorgt sind daneben Gönnersdorf, Hallschlag, Jünkerath, Schüller und
Stadtkyll. Bei den weiteren sieben Gemeinden sieht es derzeit weniger
gut aus. Eine definitive Absage für einen DSL-Ausbau gibt es aber nur
für Reuth, bei den anderen Ortsgemeinden stehen Ausschreibungen bevor
oder Interessenbekundungen an.
Hintergrund
Förderprogramm zur Breitbanderschließung im ländlichen Raum:
Damit leistet das Land dort finanzielle Unterstützung, wo bislang
Unternehmen aus Kostengründen oder technischen Res triktionen kein
Breitband ausgebaut haben. Das ist vor allem in schwach besiedelten
ländlichen Gebieten der Fall, wo eine Leitungsverlegung schnell sehr
teuer würde und somit für Unternehmen nicht oder schwer rentabel ist.
Bis 2012 werden bis zu zehn Millionen Euro bereitgestellt. Um die
Förderung zu bekommen, müssen Gemeinden der Aufsichts- und
Dienstleistungsdirektion Trier (ADD) als Förderbewilliger darstellen,
dass sie unzureichend versorgt sind. Das sind Gemeinden dann, wenn die
(Download-)Übertragungsrate nicht mehr als zwei Megabit pro Sekunde
beträgt. Außerdem müssen die Gemeinden vorab ein
Interessenbekundungsverfahren starten, um mögliche Breitbandanbieter zu
finden. (jka)
Extra
DSL ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung Digital
Subscriber Line, auf Deutsch Digitaler Teilnehmeranschluss, und
bezeichnet eine Verbindungsart, mit der Telefone und Computer ans
öffentliche Netz zur Datenübertragung angeschlossen werden können. Die
Zahl (1000er, 2000er, 16 000er) gibt die maximale Geschwindigkeit an,
mit der Nutzer Daten aus dem Internet empfangen können. Je höher die
Zahl, desto schneller läuft die Datenübertragung.